<title>
about schmidt</title>
lieber harald, <br>
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verzeih diesen vertraulichen ton, aber wir kennen uns nun schon so lange:
immer wieder geräts du in meinem /focus/,
du verstaubst in meinem bücherregal, verkratzt auf meinen cds,
verblasst auf meinen vhs-kassetten ... und, ja, du wohnst in meinem
herzen. ehrlich.
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manomann, lange, viel zu lange hast du jetzt deine show gemacht! ich
glaube, wenn man sich schon so lange kennt, wie ich dich, darf man ganz
offen und ehrlich sprechen, oder? du selbst liebst ja klare worte. zumindest
anfänglich.
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die ersten jahre unserer beziehung vergingen wie im rausch. du, diese
stattliche erscheinung im grauen boss-anzüg. der adrette, graumelierte
mann, der sich mit daumen und mittelfinger die rundliche designerbrille
zurechtrückt, danach zum glas deutschen wasser greift und /ja/
sagt. einfach /ja/, nicht /ja, aber .../, /ja,
ja/ oder /ja, und?/, wie es in dieser, unserer gesellschaft
mode geworden ist. du warst der anpacker, der nachvorneschauer, der
trendsetter. du warst solide, spritzig und immer für mich da. jeden
abend. ich freute mich auf unser zusammensein, du grand dame des deutschen
volkskabaretts.
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nun willst du gehen.<br>
eine pause machen.<br>
ich verstehe das.<br>
ich spürte es ja auch, wie langsam der reiz unserer beziehung nachließ.
wie wir abende einfach nur da saßen und die zeit zusammen verstreichen
ließen. ab und an hast du dein playmobil vom speicher geholt und
wir haben zusammen alte sagen und mythen nachgespielt. ein telespiel
mit dem du uns für ein paar stunden infantiles glück schenktest,
weil wir uns sonst nichts mehr zu sagen hatten. so kommt es wohl, wenn
man sich lange kennt. vielleicht zu lange.
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weisst du noch? zu beginn unterhielten wir uns noch lange abende und
haben viel gelacht, denn so stechend wie du kommentierte niemand das
tagesgeschehen mit wort und witz. ein kabarettstückchen der besonderen
art. dann später kam die flaute und du machtest lieber small-talk
mit unseren gästen. <br>
hast du nie gemerkt, dass sie dir nur ihre neue cd oder ihr neues buch
andrehen wollten? oder wolltest du es einfach nicht merken?<p>
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harald und ich:
wir hatten uns nichts mehr zu sagen. |
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und dann eines tages gab es dieser junge mann
in deinem leben. manuel andrack. warum er? ich habe es geaht: du hattest
keine lust mehr, dich mit mir zu unterhalten, dir war es egal, ob ich
dir zuhörte oder schon ins bett ging. du fülltest die abende
mit belanglosigkieten, führtest laue wettermoden vor oder rechnetest
den staatshaushalt schön. du tatest alles, um dich für mich
unattraktiv zu machen. was hatte er,
was ich nicht habe?
<p> ich wußte, dass es aus war mit
uns, als du mit ihm auf diese schiffstour gingst. danach haben wir uns
nur noch selten gesehen und gingen getrennte wege. ab und zu noch sah
ich dich auf meinem weg entlang der kanäle. du hast freundlich gegrüßt,
aber ich konnte dich nicht mehr ansehen und eilte schnell vorrüber.
zu groß ist noch der schmerz in erinnereung an unsere glückliche,
gemeinsame zeit.
<author>
©h.p.| 23/12/2003</author> |