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deutschland am vorabend des krieges!
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<start>zugegebenermaßen habe ich die überschrift aus einem /chronik/-band geklaut. ganz genau band 5, /1900 - 1918 - jahrhundertwende bis erster weltkrieg/.
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ich fand diese schlagzeile immer sehr gelungen, sehr melodramatisch. ein bisschen wie dallas, wo bobby wieder unter der dusche steht oder wie die lindenstrasse, wenn die geigen kommen .... sie wissen schon, was ich meine.
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/deutschland am vorabend des krieges!/, ist immer auch eine bestandsaufnahme der innen- und außenpolitischen belange in diesem, unserem lande. glücklicherweise haben wir diesmal mal nicht angefangen. im gegenteil: eben noch hat unser - immer versucht schwer besorgt auszusehender - außenminister versichert: ja, die uno ist noch wichtig und ja, das nein zum krieg ist - bis jetzt 23.30 uhr - noch gültig. puh.
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leise befürchtungen hatten sich breit gemacht, dass die volksverdreher sich zuletzt doch noch von frau merkels überaus mitreißender und patriotischer rede (/[...] wir wollen den krieg!/) hätten angel(a)n lassen und anfangen um 5.45 uhr zurückzuschiessen. der lethargische kanzler und seine grünen mannen haben sich aber diesmal scheinbar wirklich auf eine gemeinsame position geeinigt.
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und der mob? tobt er? demonstriert er? nein. eigentlich sind auch die aus golfkrieg-eins-zeiten bekannten üppig colorierten und sympathisierenden bettlaken (/kein blut für öl[farben]!/) eher selten bis gar nicht zum fenster hinaus gehängt. deutschland sitzt vor der glotze. braves medienvolk! krieg kommt eh viel geiler in embeddedeter nahaufnahme im tv, oder? nach wackelbildern rollen jetzt die virtuell aninmierten panzer. gibt´s die doku schon als dvd bei amazon? mal nachsehen ...
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längst haben sich rtl 2 und sat1 zum cnn für politisch minderbemittelte hochgedient. gebetsmühlenartig wiedergekäute news im minutentakt, aber keine schwere hintergrundinfo, geschweige denn neue bilder. nur leichte kost, bitte. geht klar. zweimal gyros /golfkrieg/, beide ohne scharf. aber bitte in verdaubaren häppchen, danke. das darf morgen im büro nicht mehr unangenehm aufstoßen.
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auch die sendezeit für den kriegsbeginn: völlig schumikompatibel auf nachtschlafende zeit gelegt. george w. macht krieg mit böse-böse saddam und der rest der welt bekommt's zum frühstücksfernsehen zum aufwach-Kaffee auf's brötchen geschmiert. well done and good night, america.
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aber mal ehrlich: wen interessiert es wirklich von den lieben sturdeutschen landsmannen und -mäninnen, ob morgen in bagdad ein sack mit plutonium angereichertem uran umkippt?
das ist traurig, aber deshalb nicht weniger wahr. <br> betroffenheitsbekundungen gibt es recht inflationär allerorts, angefangen bei viva (senderlogo durch das peace-zeichen ersetzt - könnte aber auch mercedes-werbung gewesen sein) bis zu rebellisch aufmuckenden hollywoodsternchen: /wär das nicht toll, wenn wir alle in frieden leben könnten?!/. ja, wär echt toll, /give peace a chance/ und so, aber eben ernstzunehmende aktionen gibt es kaum. selbst hochoffizielle stellen geben sich da eher lauwarm. man weiß ja nicht, wann man von den bushisten [nicht mit den friedliebenden buddisten verwechseln!] mal wieder care-pakete braucht. oder vielleicht mal'n schluck blutgepresstes öl. stattdessen versuchen sich auf dem ersten michel friedmann [vorzeige-israeli] und peter scholl-latur [vorzeige-fachmann] gegenseitig mit geschickter demagogischer fragestellung in die pfanne zu hauen. leider gelingt es keinem von beiden, so dass man des pseudo-expertisen gelabers endlich mal entledigt wäre. medialer ringelpietz mit anfassen. auf dem zweiten sieht man eben doch nicht zwangsläufig besser.
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und der otto-normalverbaucher auf der straße? sorgt sich völlig uneigennützig um steigende oder fallende benzinpreise, um den aktienkurs, um auf staubigen, texanischen strassen vergossenen, französischen rotwein. gut mir wäre es auch lieber gewesen man hätte texanischen weisswein auf französischen feldwegen verklappt, aber, was will man auch meinungspolitisch von einer nation erwarten, die in /deutschland den superstar/ sucht und einen robbie williams für echt arme findet? bohlen for president? echt, nee, danke. da wären wir ja bei den schurkenstaaten wieder nur zweiter. fragt sich nur: nach den usa oder nach irak?
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/deutschland am vorabend des krieges!/ ist eben auch nicht mehr da was es mal war: europa in aufruhr! bewaffnete mannen auf barrikaden, wild von kanonendonner zerrissene flaggen schwenkend. schweruniformierte staatsschützer als plexiverglastes gegenüber. ach mann, wo leben sie denn? heute geht doch niemand mehr für seine überzeugung bei der schweinekälte auf die straße protestieren. es sei denn, es wäre irgendwie /fun/, /kultig/ oder gar /total trendy/. nur schüler protestieren eigentlich und auch nur, weil man am rande der friedenskundgebung ganz geschmeidig nach hause desertieren kann, um /counter strike/ im netz zu zocken oder um endlich shoppen zu gehen [= frauenvolkssport für die unter-dreißigjährigen]. man hat seine meinung. und die hat man eben im heizölgewärmten zuhause bei chips, bier und rtl2 aufm sofa. jawoll. mit dem mahnenden zeigefinger in richtung glotze verurteilt man scharf, was george daddel-du da macht. ganz scharf. [aber ohne soße!].
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der krieg soll wohl nicht so lange dauern, mag sich mancheiner sagen. angeblich fliehen demoralisierte saddam-anhänger ja schon beim leichtesten husten eines us-gis. vielleicht wissen sie aber auch einfach, wann es besser ist, sich bei giftgas zu verpissen. und wenn nicht, dann wird das alles eben ferngesteuert geregelt. chirurgisch, präzise, per /enthauptungsschlag/. fragt man sich, wer da jetzt den kopf verliert. ich fürchte in zukunft werden es mehr amerikanische sein.
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wie in kaum einem krieg zuvor haben die us-pr-berater die medien schon vorab mit lustig-unblutigen computeranimationen versorgt. was da so technisch alles möglich ist! nur scharfe bilder aus den bombenköpfen, wo man noch das weiße im aufgerissenen auge vom größten schnauzbart [gröschnatz] aller zeiten sehen könnte, sind technisch irgendwie doch nicht drin. liegt wohl an der strahlung durch die uransprengköpfe für die bunkerbrechenden bomben. zwischenfrage: wann erfindet eigentlich mal jemand den bombenbrechenden bunker? vielleicht hätten man ja auch mal eines dieser beängstigend realen computerspiele ausprobieren können, die jetzt schon auf der kriegswelle reiten: dort gibt es verblüffend real wirkende sandstürme, shock 'n' awe en masse und so. soll's ja geben. im irak. nur ein plausibler und beweisbarer kriegsgrund will auch dem rechner im pentagon nicht aus dem speicher fallen. anyway...
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ach ja: innenpolitisch ist es nun ja eben auch nicht so, als wäre noch mehr los gewesen in diesen tagen: spröde kanzlerschönreden von mehreren millionen arbeitslosen und stark inflationärem wirtschaftswachstum und - natürlich - ebensolche schuldzuweisungen der opposition, die mit knäckebrotartig noch knackig umschrieben sind. das bekannte kasperletheater der gewählten politstatisten.
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da kommt so ein hightech-krieg am abend des endes der cebit eigentlich ganz abwechslungsreich daher. nicht, dass man jetzt schon mit seinem vodafone-handy kleine tomahawk-raketen auf grünen nachtsichtbildschirmen in böse diktatorschlafzimmer dirigieren könnte. nein, nein. das feature gibt's erstmal nur als demo für spielkind georgie. aber leider war der giftgaszwerg gerade wohl doch nicht zuhause. nur der ab war dran: /thank you for bombing the presidents palast. the horrible beast of bagdad - our grate & scornful dictator saddam hussein - is unfortunatly not at home. please leave some scat missles after the beep and we´ll get back in touch with you as soon as possible!/<end>

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©h.p.| 20/03/2003</author>