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mein schönstes praktikumserlebnis - studeinalltag</title>

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der tag fängt gut an: verspätung! warum kann man für 140 dm pro semester nicht einmal pünktlich zur ersten vorlesungsstunde kommen? schweißgebadet komme ich jedesmal in der fh an, da der bus vom bahnhof zur fh natürlich - fahrplanmäßig - schon abgefahren ist!
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ein blick auf den plan offenbart es: physik praktikum, raum 101. eigentlich nicht schlimm, hätte, ja hätte ich mich auf die beiden versuche nur gründlich vorbereiten können. egal! wird schon schiefgehen. ich vernehme schon in der nähe des stundenplans die angenehm lauschige stimme von herrn diplomingenieur b., wie er freudig die zuspäterscheinenden auf die ihm ganz eigene art begrüßt. das hört sich in etwa so an, als wenn man neben der antriebsturbine einer boing 747 steht und seinen gehörschutz zuhause vergessen hat.
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listig versuche ich, mich hinter meinen kommilitonen zu verstecken, die mit leicht verschreckten gesichtern in einer kleinen traube vorm eingang des physiklabors stehen. dummerweise war mein name aber schon aufgerufen worden. dann muß ich mich wohl doch noch persönlich melden. seufz!
allen mut zusammengefaßt und hin. ein /guten morgen, ich bin leider zu spät, wei l... / geht schon unter. was herr b. da sagt, versteht man eigentlich nicht so recht. ist aber auch egal, denn es ist eher die art, wie er es sagt. meine einwände, es liege am fahrplan der deutschen bummelbahn und überhaupt an der täglichen verspätung an sich, ist kein gültiges argument. eher ein widersprechen. ich hülle mich in schweigen, zeige demut und darf deshalb doch noch - gnädigerweise - am praktikum teilnehmen. im hinterzimmer höre ich hämisch das gelächter der hiwis als ich in die dunkelkammer schleiche. versuch: plancksche konstante - eine grundfeste der naturwissenschaften.
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im stockdunklen versuche ich, im schein der cadmium-quecksilber-lampe der apparatur, die versuchsvorschrift in meinen temporärspeicher einzulesen. im allgemeinen klar. im speziellen ..? keine ahnung.<br>
ich weiß schon jetzt, wie es ablaufen wird: b. kommt rein, stellt fragen, deren antwort ihm nicht gefallen werden, wird wütend, schreit rum, zwingt uns fachlektüre auf und straft uns die nächste stunde mit nichbeachtung. im grunde ist das die wirkung, die die dunkelkammer auf herrn b. hat. so ein klaustrophobisches verhalten sollte man ihm gar nicht zutrauen, dem herrn oberfeldwebel a.d.
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und so kommt's: b. kommt rein, stellt uns fragen, deren antwort ihm nicht gefallen, wird wütend, schreit rum, zwingt uns fachlektüre auf und straft uns die nächste stunde mit nichteachtung. woher wußte ich das bloß?<br>
nach einer stunde fieberhaften suchens, diskussion um die korrekte ausdrucksweise und mehrfacher konsultation der hiwis, wagen wir den zweiten anlauf. schließlich ist es schon 9.00 uhr und es ist noch kein handschlag für's erste antestat getan.
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zweiter versuch. zweiter tiefschlag. schon für die zweite frage: /wovon hängt die höhe des stromes i ab?/, wirft uns wieder aus der bahn. gleiches spiel wie zuvor. der dritte anlauf gelingt dann endlich. wir schreiten zur eigentlichen messung. ganz leichtes drehen an dem zuständigen knopf zur variierung der wellenlänge läßt den spannungsmesser bereits bis zum anschlag ausschlagen. wir zeigen uns fachkundig und wählen wahllos mit viel geschick alle meßbereiche erfolglos durch. keine noch so gutgemeinte regung des ausschlagenden zeigerelementes. taktisch probierten wir alle eingänge des meßgerätes in kombination durch. mit erfolg: beim letzten umstecken schwingt sich der zeiger in die gegenrichtung auf, schlägt hart an und verharrt dort ebenfalls wieder über alle meßbereichseinstellungen. uns schwant übles. wahrscheinlich ist das zeigergerät defekt. wer aber wird uns glauben, daß wir es nicht gewesen sind? wer ist so gutgläubig, so verständnisvoll. die antwort war schnell gefunden: ein hiwi muß her. hat dieser ersteinmal daran rumgetummelt, wird uns so leicht keiner mehr verdächtigen.
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auch hiwi sorglos versucht es mit handgelenksübungen am meßbereichsregler und mit steckerzupfen. erfreulicherweise kommt er lakonisch zum selbem ergebnis wie wir: /kaputt./ so sieht's wohl aus. eigenständig darf er das natürlich nicht austauschen, gott bewahre, nein. obersachverständiger b. muß her, um das ausmaß der katastrophe zu begutachten.
gesundes mißtrauen gegenüber seinem hiwi (student aus dem fachbereich physikalische technik, 7. semester) veranlaßt auch b. zum spiel an den knöpfchen. interessiert beobachte ich, wie er beim drehen und stecken ein paniertes kotelett ißt und die zigarette professionell ausbalanciert. ab und zu fällt dabei ein stück panade oder asche auf das meßgerät, und ich frage mich inwieweit das unsere fehlertoleranz beeinflussen wird. schockiert stellt herr b. fest: /das sche...ding ist schon wieder im ar.... ! den dämlichen kemikern kamman auch nix inne hand geben./ ein paar weitere kraftausdrücke, die uns das schamviolett ins gesicht treiben, untermalen den ernst der lage. dabei donnert er mit der hand auf den meßtisch, daß sich eine kleine seenlandschaft um die kaffeetasse bildet, die er zuvor hier abgestellt hatte. wieder blitzt die frage nach der fehlertoleranz des empfindlichen prismenmonochromators durch meinen kopf.<br>
eine viertelstunde später baumelt ein anderes meßgerät an den meßeletroden vor meinem gesicht. widererwartend klappen die messungen. in beeindruckender weise bildet sich vor unseren augen sogar so etwas wie eine gerade aus, wenn man die frequenz gegen spannung aufträgt, und die plancksche konstante liegt zumindest im richtigen potenzbereich. das ist doch schon was!
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/das ist sch...!/, so daß urteil des fachmanns b. /watt happta denn da jemessen? paßt doch hinten und vorne nich. könnta gleich nochma machn./ im folgenden half uns hiwi schlitzohr noch etwas, werte /andersartig dazustellen/ und siehe da, es klappte. das ergebnis (6.0 10-34 vas) hätte herr planck selber auch kaum besser bestimmen können. jedenfalls nicht mit herrn b. im nacken! immerhin schon fast 12.00 uhr und das erste antestat des tages ist schon in greifbarer nähe.
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fehlt noch versuch 2: beugung am gitter. keine laser, die das erfassen des ablerkungswinkels bis auf das 1000stel grad erlauben. unsere /laser/ sind aus holz und ca. 1lm lang. der lack und die beschriftung blättern in unseren schwitzenden händen. mit meinem doppelprisma [brillenträger] sehe ich absolut keine spektralfarben. jedenfalls nicht nur zwei, wie die versuchsvorschrift vorgibt. die anderen auch nicht.<br>
ein hiwi (arglos) mußte her und untersucht die helium-lampe, dreht sie zwischen seinen fingern und setzt sie wieder ein. immer noch nix besser. eher schlechter. b. muß her. b. sieht durch, sieht genausoviel wie ich [auch prismaträger!], stellt nach ausbau der lampe fest, daß da /einer mit seine griffel draufgewesen/ ist. wir sind fair und schieben die schuld auf hiwi arglos, der sich leise durch den vorhang aus der kammer schleicht. eine neue lampe wird fluchend eingebaut.<br>
wieder gelingen die messungen - diesmal ohne schönrechnen - auf anhieb. es ist 13.00 uhr und die letzten antestate schon anvisiert. wieder inquisitorische fragen. weder wenig antworten. kopfschüttelnd unterzeichnet b. die antestatzettel und wirf sie uns vor. geschafft - für heute. nur raus hier.
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rückblickend ist es schon ein lustiges spiel gewesen und es gab momente, wo ich b. eigentlich doch ganz erträglich gefunden habe. am ende des praktikums konnte ich sogar jede frage auswendig beantworten und hersagen. immerhin ein erfolg. ich habe mal gehört, daß er so manches mal gelacht haben soll, wenn er wiedermal jemanden verbal verkleinert hat, als hätte er es nicht ernst gemeint. aber das kann ich nicht glauben. nicht nach alldem.
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©h.p.| 12/08/1998</author>