<title>bella
chiao</title>
<start>
wir müssen leider draussen
bleiben!
<p>
ob das cineplex und die angrenzenden lokalitäten nun eine bereicherung
der unterhaltungs- und freizeitlandschaft darstellt oder eher eine architektonische
verschandelung und ende des spartenkinos in münster, darüber
kann man in der tat geteilter meinung sein.
<P>
um das herauszufinden, um mitreden zu können, machte man sich dann
am samstagabend mit eine paar lieben freunden im schlepptau auf zur
neuen, aufstrebenden in-disco /belaggio/
von der man noch am morgen in der zeitung gelesen hatte, sie warte auf
den /ganz normalen gast/,
kein proll, aber auch keine schicki-micki-type.
<P>
das warten am eingang kennt man ja schon aus berlin oder hamburg. das
gilt neuerdings nicht minder für die westfalenmetropole. selbst,
wenn man drinnen die leute noch per handschlag persönlich begrüssen
kann, wartet draussen die vor kälte zitternde, weil leicht beschürzte
klientel in langer schlange auf einlass. man fügt sich.
<P>
endlich am eingang angekommen, erwartet man freundliches /hallo/
oder /guten
abend/. stattdessen wandert der blick
des türstehers an dir herab. /so, wie
du angezogen bist, kommst du hier normalerweise nicht herein!/,
lautet das urteil des breitschultrigen torwächters mit knöpfchen
im ohr.<br>
sprachlos vor erstaunen werfe ich einen blick hinter mich in die wartenden:
bauchfreie mädels, höchstens um die 16. jungs mit dem schritt
in den kniekehlen. dann blicke ich auf mich: collegejacke, frisch gewaschenes
hemd, neue bluejeans und winterschuhe. es ist halt kalt draussen. das
harmoniert nach aussage meiner freundin sogar sehr gut zusammen. und
sie hat geschmack. /und mit den schuhen sowieso
nicht!/, schiebt der nur unwesentlich
anders gekleidete nach. /bitte?/ entspreche
ich nicht dem /als normalen gast/
proklamierten bild? nicht betrunken, ganz normal angezogen, mit der
freundin an der hand. nichtmal ein aufdringliches rasierwasser trage
ich. <br>
/also, wenn ihr uniformen wollt, dann hättet
ihr euern laden eher /bundeswehrkantine/ nennen sollen und nicht /belaggio//,
antworte ich und wir gehen dahin, wo normale und unnormale leute nicht
oberflächlich behandelt werden: in gleis 22. einlass kein problem,
nette leute, moderate eintrittspreise, kaltes bier und die musik ist
auch okay. wie's sein soll. hatte ich erwähnt, dass das gleis immer
voll ist?! woran das wohl liegen mag?
komisch, was sich so manche dienstleister erlauben können?
<P>
/belaggio/,
wir wollen lieber draussen bleben!
</end>
leserbrief an die wn.
<author>
©h.p. | 10/11/2000</author>
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