<title>
achtung! wildwechsel! </title>
<start>mit
einer grossen gala und vielen mehr oder weniger prominenten feierte
sich gestern abend die medeingesellschaft in einer zweistündigen
dauerwerbesendung des burda-verlages zum 57. mal selber.
<p>
als moderatoren hatten sich diesmal thomas hermanns, die sonore stimme
der apothekenumschau: sky du mont [mein tipp: fragen
sie gezielt danach.] und bettina zimmermann angefunden. dass
zwei von drei moderatoren gerade mal zur launigen kommentierung einer
sinnfreien aussenwette bei thomas gottschalk taugen, sollte der abend
noch schmerzvoll zeigen. immerhin hatte die zimmermann nicht nur ihre
rehbraunen augen dabei, sondern bot im gold-reh-applilzierten kleid
wenigstens einen optischen genuss.
<p>
maria furtwängler - bei der ich mich in jedem jahr wieder frage,
warum sie dem namensgeber der veranstaltung an den klamotten hängt,
der optisch gesehen locker als ihr papa durchgehen würde und der
den charme eines fnanzprüfers besitzt - überreichte jedenfalls
dem abgelegten us-präsidenten und ex-praktikantenschwarm billyboy
clinton nicht nur die erste goldene jagttrophäe, sondern überraschenderweise
auch gleich noch ein scheck über 8 millionen dollar - ausgetan
von michael schuhmacher - für seinen wiederaufbauhilfefond für
tsunami-opfer. clinton zeigte sich beeindruckt.
<p>
besonders bezeichnend in diesem jahr: die unsäglich schlechten
und geradezu provokativ-laienhaft vorgetragenen anmoderationen und peinlichen,
dellinghaften überleitungen. Mehr als einmal klomm mir das gefühl
von peinlichkeit und scham in den hals, wie es immer geschieht, wenn
ich in der glotze mitansehen muss, wie sich jemand zum kompletten idioten
macht. warum ich dann nicht abschalte, ist mir ein rätsel. ist
es die faszination des grauens?
<p>
peinlichstes lowlight in diesem zusammenhang: sky du mont der zu lauten
heavy metal geschraddel auf den knien vor bettina zimmermann rumrutscht
[bis hierhin nachvollziehbar] und in exstatischer
infantilität versucht luft-gitarre zu spielen. auch das will gelernt
sein, mein lieber. tiefer konnte er genau genommen wirklich nicht mehr
sinken, oder doch? er könne auch trommeln, fügte mr. grey
sky hinzu.<br>
ich hingegen hätte auch kotzen können.<br>
nicht nur, dass bei den schlecht abgesprochenen pseudo-dialogen oft
der einsatz verpazt wurde, nein, auch die art des vortrags erinnerte
mehr an eine schlecht gecastete vorarbendtelenovela, denn an einen grosse,
nationale glamourveranstaltung. besonders verona pooth und cora schumacher
[schwägerin des eingangs erwähnten millionenspenders],
sollten sich mit rücksicht auf das puplikum gänzlich auf eine
wortlose zuschaustellung ihrer nackten haut beschränken. taten
es aber zum allgemeinen bedauern nicht.
<p>
höchst anständig, aber in diesem promi-zirkus gänzlich
deplaziert, waren die preisträger in der sparte /engarment/
und /wissenschaft/. was inbesondere die helfer
von bka, thw und bundeswehr in den vom tsunami betroffenen gebieten
gesehen, erlebt und geleistet haben müssen, stand im krassen gegensatz
zur glamorösen zur schau gestellten oberflächlichkeit dieses
abends.<br>
und ein renommierter physiker, theodor hänsch, musste sich und
seine arbeit zur präzisionsspektroskopie auch noch durch eine ziemlich
mittelmäßige moderation von wigald boning veralbern lassen.
ja, wissenschaftliche arbeit ist eben ein hartes brot. gottlob war es
nicht die einzige würdigung seiner arbeit.
<p>
sternchenschnuppe yvonne katterfeld lobpries in ihrer laudatio mariah
carey ob ihrer /wahnisinnig tollen stimme/ und ihres einzigartigen
talents. als preisträgerin des bambi /pop intenational/
trällerte das goldkehlchen carey denn mit einiziartig dünnem
stimmchen, begleitet von ein paar hupfdolen und brachialem bass, ihr
neustes, recht blasses liedchen /get your number/.
vollplayback versteht sich. vermutlich genau wie die das üppig
wippende dekoltee der sirene. eine darbietung, die mich aktustisch stark
an die schweinepestschlachtungen im letzten sommer erinnerte. <br>
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| bambi wird nochmal fein gemacht |
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ebenso die blagen-band /tokio hotel/, die auf wundersame weise
zu preisträgern des /pop national/
gekürt wurden. mensch, warum sagt denen denn keiner, dass die gar
nicht singen können und die blödsinning pseudometaphorischen
texte immer schon und leider noch von xavier naivdo geschrieben wurden
und werden.<br>
oder wollte man gar einen versteckten hinweis geben, was man von allen
anderen deutschen künstlern hält, die im fast vergangenen jahr
ihre platten veröffentlicht haben? man weiss nicht, was die jury
da geritten hat. vielleicht - achtung kalauer! - sind auch einfach die
rehe mit ihr durchgegangen.<br>
immerhin gab's musikalisch gesehen noch einen recht ordentlichen a-ha-effekt
vorweg und einen gaumenschmeichelnden ramazzotti als absacker hintendran.
<p>
und endlich, als dann durch das medienspektakel ein schmaler schein von
menschlichkeit hätte fallen können, nämlich als johannes
b. kerner seinen wirklich verdienten publikumsbambi für die tsunami-spendengala
seinem am tag der sendung verstorbenen schwiegervater widmte und halb
fernsehdeutschland am liebesten mit ihm und seiner frau zusammen in tränen
ausgebrochen wäre, schlägt einem der harte schnitt auf den breit
grinsenden thomas hermanns mitten ins gesicht, der uns überleitungslos
den gewinner des preisquizes präsentieren möchte.<br>
nur knapp verfehlte die fernbedienung das gerät.<br>
von gottschalk lernen, heisst moderieren lernen.
<p>
ja, danke auch, herr burda!
</end>
<author>
©h.p. | 29/11/2005</author>
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