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dresskot</title>
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es ist immer wieder faszinierend zu erleben, wie sehr einen die menschen
unterschätzen, wenn man in der kleidung ein bisschen understatementmäßig
bleibt.
<p>
mir persönlich graut es ja vor anzügen - ob synthetik
und oder feinste seide, egal welche modefarbe gerade in ist - , besonders
wenn sich das quecksilber auf die 30 grad zu bewegt und ich diese ganzen
geschniegelten yuppies in ihren business-rüstungen sehe: anzug,
handy, laptop und die visitenkarte immer im anschlag. dazu immer noch
die neusten marketingphrasen im speicher.
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von krawatten bekomme ich instant ausschlag am hals, dann luftnot. hemdmanschetten
bleiben selten länger als eine stunde weiss, und beim blick im
spiegel sehe ich mein typisches, debiles-krampfiges /anzuggesicht/,
dass in stummem vorwurf die frage stellt: /wer hat
mich eigentlich in diese verkleidung gesteckt? ja, is' denn scho' wieder
fashing?/ kurzum: ganzkörperliches unwohlsein. <br>
der stete drang alles den körper beengende von mir zu reissen und
einfach nackt und befreit durch die welt springen zu wollen, bringt
mich fast um den verstand. <br>
für mich unbegreiflich, wie man so noch einen klaren gedanken fassen
kann, wenn einem der kulturstrick die blutzufuhr zum hirn abschnürt.
das wiederum erklärt aber natürlich so manchen verbalen auswurf
jener frackträger aus management, wirtschaft und politik. im grunde
wollten diese armen menschen sich eigentlich infolge sauerstoffmangels
und überhitzung übergeben, hatten dann aber genung selbstbeherrschung
und lenken ihre not in verbales erbrechen um.
<p>
ich selbst trage gerne jahreszeitenunabängig t-shirts und jeamshosen.
manchmal auch kaki-shorts plus turnshuhe, diskrete socken und ein drei-tage-bart
dazu. wenn es festlich wird, wird man mich also eher in der sportlich-schicken
variante sehen, als denn im anzug. <br>
das hat aber zur folge, dass die krawattierten, zweireihigen herren
meist eher herablassend an mir runtersehen. macht aber nix. hier ist
dann mein gesundes selbstvertrauen gefragt. ich entscheide mich meist
für mein freundliches lächeln und höre mir aufmerksam
das geschäftsgeschwaller geduldig an. business cards habe ich nicht
oder nur selten dabei. man wird sich meinen namen schon merken müssen.
aber namen merken lernt man ja schon als erstes als vertrauensbildende
maßnahme am kunden auf der marketingschule. so oft wie in einem
verkaufsgespäch, werden sie, herr müller, ihren namen nie
wieder hören, herr müller. das fehlende businesslabel verstärkt
natürlich den eindruck einen absoluten nobody vor sich zu haben.
<br>
eigentlich ist es ein gewaltiger vorteil, wenn man unterschätzt
wird. man ist in der stärkeren position: wirklich. ersteinmal werde
ich nicht für voll genommen, so dass niemand höhere ansprüche
an mich stellt. de facto kann ich mich also kaum [mehr]
blamieren. mich selber stetig zu produzieren habe ich auch nicht nötig.
ich liebe es, wenn leute mich entdecken.<br>
und dann, wenn durchscheint, dass man die ganzen rethorik- und gesprächsführungstaktiken
ebenfalls gelernt und sowas von drauf hat, könnte das gespräch
endlich einen offenen und gehaltvollen kanal münden. oft druckst
das gesprächsgegenüber mangels weiterer themenfindung mit
/gucken wir mal, was das buffet hergibt./
oder ählichen killerphrasen rum.
<p>
selten, ganz selten sehe ich aber auch dieses kurze auffunkeln aufkeimenden
respekts in den augen meines gesprächspartners. denn natürlich
stecken manchmal auch echte menschen in den uniformen aufzügen,
die selbsständig denken und ihre meinung nicht allmorgendlich aus
dem /handelsblatt/ oder der /kapital/
inhalieren müssen.
<p>
Es ist also immer ein heidenspass diese ganzen geschniegelt und gestrigelten
gesellschaften an ihrer eigenen ignoranz und oberflächlichkeit
auflaufen zu lassen.
<p>
ich selber habe mich für das modell /freundlich,
aber gehaltvoll/ als meine ideale passform entschieden. das steht
mir am besten. ein sehr anziehendes modell übrigens. nicht nur
für mich. man lernt einfach die besseren menschen kennen. niemand
kauft das buch wegen des schmucken umschlags, sondern einfach, weil
es gut unterhält; der inhalt stimmt. man begegnet sich einfach
auf natürlichere weise. in einer anderen form von nackt. ohne gesellschaftlich
zwänge, konzentriert auf den anderen und auf die ziele; die sache
selbst. kein taktieren, kein versuch auszubooten. gelungener konsens
ist das gemeinsam errungene gut. alles andere ist nur formsache und
schmucke verpackung.
<p>
was mich aber besonders herausfordert, ja manchmal gar wütend macht,
sind meine lieben mitmenschen, die meine freudlichkeit mit dummheit
verwechseln. wer mich verarschen will, macht das nur ein einziges mal.
< /end>
<author>
©h.p. | 24/06/2005</author>
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