<title>
schiedsgericht</title>
<start>ja,
ja. es kommt irgendwann unweigerlich alles raus. gerne auch unter mithilfe
der beschuldigten selber. manchmal hilft der blick in den /spiegel/,
manchmal mach' ich mich meine eigene /bild/.
es geht um skandale.
<p>
und irgendwie sind fussballer dazu besondes prädestiniert. wir
alle erinnern und noch recht gerne und amüsiert an bayer leverkusenens
trainer christoph /schnuppi/ daum. <br>
der sah sich ja ende 2001 zu unrecht beschuldigt, drogen - in seinem
fall koks - in nicht unerheblichen maße konsumiert zu haben. daum
stand aber auch gerade als bundestrainer zur debatte. bayern-manager
uli hoeneß trat nach und denunzierte daum als eher chronisch verschnupften
charakter. verrat aus den eigenen reihen. es gab also handlungsbedarf.
<p>
man weiss nicht mehr auf welchen schlechten trip es zurückzuführen
war, jedenfalls kündigte daum vollnasig und aus freien stücken
an, er gäbe gerne eine haarprobe für einen drogentest. wie
daum kann man eigentlich sein?!<br>
zu dumm, denn die technik ist mittlerweile so zuverlässig, dass
sie daum nicht nur eine gelegentlichen drogengebrauch, sondern einen
/regelmässigen konsum/ bescheinigte. quasi zugekokst bis
in die haarspitzen. busenfreund calli - offensichtlich auf drogen ganz
anderer art eingeschossen - gab sich enttäuscht. um so überraschter
zeigte sich schnupfmariechen: /ach so, /die/
drogen meinen sie? ja, das stimmt. die habe ich genommen./<br>
da hätte man doch einfach mal besser das maul gehalten und stillschweigen
bewahrt - koohlish wie ein fels in der brandung. und am ende hätte
sich vielleicht sogar noch der bayern-uli persönlich für diese
unbewiesenen anschuldigungen abbitte leisten müssen. relax, just
sit back & wait.
<p>
und dann passiert es anfang 2005 schon wieder: robert hoyzer.
seines zeichens gewesener bundesliga-schiedrichter lässt sich verdächtigen,
wie er die fussballfans nach allen regeln des spiels um ein reales ergebnis
bepfeifft. eigens hierzu wurde das berliner café king zum wettbüro,
wo man sich mit hoyzers hilfe gegen entsprechenden einsatz seine oddset-wette
von der kroatischen wettmafia schönpfeiffen lassen konne. entsprechende
methoden, wie solche wünsche vermittelt werden, sind ja gemeinhin
bekannt.<br>
prophylaktisch tritt hoyzer aber vorab schonmal von allen ämtern
zurück und aus dem dfb aus - man weiss ja nie.<br>
beleidigt wie ein kleiner junge zieht er sich mit verschränkten
Armen in sein sofa-eckchen zurück und erklärt schmollippig
man möge ihm erstmal sagen, was man ihm überhaupt vorzuwerfen
habe, dann könne er damit auch arbeiten. <br>
nicht einmal vierundzwanzig stunden später erklärt er kleinlaut:
/ach /die/ vorwürfe meinen sie. ja,
also, die sind wahr./ <br>
die berliner staatsanwälte hatten doch irgendwie gründlicher
recherchiert als gedacht. sie hatten sogar so gut recherchiert, dass
der kleine bub nicht mehr allein dasteht. er selbst hilft inzwischen
sogar ständig mit neuen namen aus. es zeichnet sich ein bundeliga-skandal
ab, wie man ihn seit 1971 nicht mehr gesehen hat.
<p>
aber auch er kann, wie viele unserer politiker, darauf hoffen,
dass bald alles wieder gut ist. gut und von allen vergessen. dann kriegt
er vielleicht wieder einen neuen pfeiffenjob. vielleicht bei fenerbahce
istanbul. dort kann er sich dann gemeinsam mit daum sein pfeiffchen
stopfen: der eine mit koks, der andere mit kohle.
/end>
<author>
©h.p.| 31/01/2005</author>
|