<title>
ich bin doch nicht blöd?</title>
<start>
kleine ergänzungsgeschichte zum thema /pauschalverdacht/:
<p>
als ich neulich mal wieder in meinem ich-bin-doch-nicht-blöd markt
war, um eine neue grafikkarte für meinen PC zu erwerben, stehe
ich also recht unbescholten an der kasse und möchte zahlen. 299
eur - ein stolzer preis für eine grafikkkarte, aber die soll ja
auch wieder ein, zwei jahre halten. ich hatte ohnehin schon schwer mit
mir gerungen, aber nun an der kasse gab's keinen rückzieher. die
sache war quasi schon gebongt; die ec-karte gezückt, schmerzloses
geldausgeben leichtgemacht.
<p>
in der scannerkasse blinken /169 eur/ auf. hm, etwa ein überbleibsel
dieser produkte, die bei der grossen /ohne mehrwertsteuer/-aktion
des elektronik-discounters noch schnell am vortag im preis nach oben
korrigiert wurde? keine ahnung, aber dummerweise mache ich den kassierer
darauf aufmerksam, dass doch ein ganz anderer preis auf der verpackung
ausgezeichnet ist, nämlich 299 eur. er telefoniert. aufallend einsilbig.
ich warte. alle fünfzehn kunden warten - auf mich. unangenehm.
ich entschliesse mich, dem kassierer meine ec-karte zu überlassen
und mich neben die kasse zu stellen, damit schonmal die anderen kunden
bezahlen können.
<p>
wenig später bauen sich hinter mir zwei herren in dunklen anzügen
auf:
<p>
/heinrichs vom sicherheitsdienst. ich glaube wir können das
hier ganz schnell aufklären. komm'se mal mit in unser büro./
verduzt gucke ich ihn an: /wieso mitkommen? ich warte darauf, dass ich
hier bezahlen kann./
<p>
/sie wissen ganz genau, was los ist. komme'se mit in unser büro
und wir regeln das dann dort./
<p>
/nein, ich bleibe hier. rufen sie die Polizei und dann klären
wir das dann mit den herren./
<p>
die restliche kundenschaft nimmt bereits interessiert an unserer diskussion
teil. einige machen dieses /da-hammse-mal -wieder-einen-gepack/-gesicht.
der andere sicherheits-kollege im anzug steht ernst dreinblickend, aber
schweigend daneben.
<p>
/wollen sie hier einen aufstand im laden machen?/, fragt herr
heinsrichs vom sicherheitsdienst.
<p>
/ja, warum nicht?! ich hab mir ja nichts vorzuwerfen. sie können
mich nicht in ihr muffiges büro zwingen./
<p>
/wenn sie das meinen, dann ist da ihre meinung./ grosse worte,
gelassen ausgesprochen. /wir haben sie auf ihrem weg durch den ganzen
laden mit video überwacht. wir wissen ja beide, was das heisst./
<p>
/nein, ehrlich gesagt, habe ich keinen blassen dunst, wovon sie
eigentlich reden./
<p>
/jetzt machen sie hier nicht so einen aufstand und kommen gefälligst
mit ins büro./
<p>
/sie können das gerne noch ein paarmal wiederholen, aber, nein,
auf keinen fall. rufen sie die polizei. was soll ich eigentlich gemacht
haben? ettikettenschwindel? da wär ich aber schon ziemlich dämlich,
wenn ich die 169 eur auf dem preisschild mit 299 eur überklebe,
oder? fällt ihnen da was auf?/, gebe ich zu bedenken.
<p>
/sie haben doch versucht die ware mit einem umgeklebten preisetikett
viel billiger zu bekommen./
<p>
/äh, nein, ich habe dem herrn an der kasse darauf hingewiesen,
dass er 169 eur als preis gebongt hat, obschon 299 eur auf der packung
stehen./
<p>
heinrichs überlegt sichtlich angestrengt, während er die augen
verdreht und mit der zunge seine unterlippe befeuchtet: /öh,
ach so... ??! ich hatte irgendwie andere informationen bekommen. na,
dann hat sich das ja aufgeklärt./
<p>
ich zeige mich enttäuscht: /ja, wie jetzt? was ist den jetzt
mit dem videofilm? den würd' ich schon noch gerne sehen. da wo
ich so gut im bild bin und sie ja wahrscheinlich gestochen scharf sehen
können, was für ein fixer umettiketierer ich bin/
<p>
/nee, nee, das hat sich ja nun geklärt./
<p>
/da war jetzt ihre ganze videoüberwachung für umsonst?
kein netter videoabend bei ihnen im heimeligen büro? och. wissen
sie was, rufen sie mir doch mal den marktleiter. ich lass mich nicht
verarschen, vor allem nicht für den preis. und nicht von ihnen./
<p>
<p>
nachtrag: es gab keine entschuldigung seitens des markleiters, weder
für den unbegründeten verdacht, noch für die peinlichkeit.
allerdings war die grafikkarte - wohl infolge inkompetenz - falsch im
preis heruntergesetzt worden. sie kostet momentan billigstenfalls 220
eur, wobei ich 169 euro bezahlt habe. damit gab's dann doch noch etwas
schmerzengsgeld.
</end>
<author>
©h.p.| 02/02/2005</author>
|