<title>
ihhbäh</title>
<start>
<p>
das online-auktionshaus ist eine
tolle sache. einmal dort eingestiegen entwickelt sich schnelle ein [er]steigerungsfähiges
suchtpotential. schnäppchen bis das modem glüht, eine vielfalt
von neu bis alt wie es sie in keinem kaufhaus der welt gibt. aus gut
50.000 kategorien werden waren und dienstleistungen aller art angeboten.
mitmachen kann jeder. tut auch fast jeder. über 100 millionen registrierte
nutzer verzeichnet die internet-mall derzeit. klar, dass sich da auch
immer ein paar idioten anfinden. aber die
chancen das zu bekommen, was man dort ergattert oder sofort gekauft
hat, oder eben sein geld für den verkauf, stehen gut.<br>
auch ich handele dort privat und verkaufe ab und an meinen obsoleten
computertrödel. über 300 mal schon. so auch eine unbenutzte
version des microsoft-betriebssystems windows 64bit. fix eingeloggt,
ein aussagefähiges angebot geschrieben: orignal verpackt, gültiger
lizenzschlüssel, nicht aktiviert oder registriert, privatverkauf,
keine garantie oder gewährleistung, es sei denn der datenträger
wäre defekt oder verlustig usw., reingestellt, fertig. warten.<br>
kaum 7 tage später hatte sich handelspartener /hupfdohle/*
entschieden die angebotene software per bindendem höchstgebot zu
erwerben. wie schön. flugs die email mit glückwünschen
& bankverbindung verfasst und an den käufer gesandt.<br>
die rückantwort kam schnell. er habe sich /verklickt/
und nun die software aus versehen zweimal gekauft. er würde mich
/ganz lieb bitten/
die software dem unterlegenen bietern anzubieten. etwaige differenzbeträge
würde er /selbstverständlich übernehmen/.
okay, nicht schön, aber das kann schonmal passieren. ich sagte
zu, wies aber darauf hin, dass - so niemand sonst die software wolle
- er mir diese doch schon abnehmen müsse. er könne sie dann
ja selber schnell wieder auf ebay veräussern. /das
ist kein problem./, so die antwort
von /hupfdohle/.<br>
zwei tage später hatte ich sämtlich unterlegene bieter durch,
jedoch war niemand anders bereit, das windows zu nehmen. ich schrieb
/hupfdohle/
es tue mir leid, aber es habe sich kein interessent mehr gefunden und
ich bäte ihn nun, die software ordnungsgemäß zu bezahlen.<br>
stunden später dann die überraschende antwort, nein, nein,
bezahlen werde er die ware keinesfalls. ersteinmal wolle er von /microsofts
sicherheitsabteilung/ überprüfen
lassen, ob es sich nicht um eine raupkopie handele und ob die software
sich überhaupt für seinen pc eigene. auf meine gegenfrage,
wie sich diese prüfung gestalten solle, wo er doch bisher keine
software zur überprüfung erhalten habe, und dass er sich die
programmkompatibilität vorher hätte genauer recherchieren
können, entgenete die /hupfdohle/
bockig, ich solle dies mal seine sorge sein lassen und er würde
nicht zahlen. ich solle ihm den lizenzaufkleber mit seriennummer in
kopie schicken, damit er bzw. microsoft die echtheit verifizieren könne.
an dieser stelle bin ich fast vor lachen aus dem heimischen sessel gefallen.
na klar, habe ich natürlich sofort aufs fax gelegt, noch meine
ec-Karte und die pin und tan-Liste dazu ...<br>
mein zarter hinweis, er müsse die ersteigerte ware schon lt. der
ebay-statuten abnehmen und es handle sich ja hierbei um einen rechtgültig
abgeschlossenen kaufvertrag mit angebot und annahme, hielt er entgegen,
ich solle ihm nochmals meine /ladungsfähige
adressdaten/ zusenden, denn er wolle
mich - falls ich mich bei ebay über ihn beschwere - wegen übler
nachrede verklagen. oder wegen des verkaufs von raubkopien - da überlege
er noch. starker ansage für jemanden, der bisher weder ein beweismittel
noch eine rüde antwort oder beschuldigung von mir bekommen hatte.<br>
diese daten wurden ihm zwar bereits in der benachrichtigungsmail für
die gewonnene auktion mitgeteilt, aber natürlich bekam er sie nochmal.
ich bin ja kein servicedienstverweigerer.
<br>
zwei tage später war es möglich sich via ebay zu beschweren,
was ich tat, schliesslich war kein geldeingang auf meinem konto verzeichnet.
zwischenzeitlich terrorisierte mich /hupfdohle/
mehrfach täglich mit süffisanten und neckischen emails mit
bedohlichem inhalt. er plane jetzt - anführungsstriche oben -
aktionen und ich würde bald
bald von seinem anwalt hören usw.<br>
ich reagierte gar nicht mehr. zwischenzeitlich stritt er wieder ab,
er habe die software nie bezahlen oder beziehen wollen, blablabla. ebay
erstatte mir die kosten, ist stelle den artikel neu ein und verkaufte
ihn. über das bewertungssystem auf ebay hagelt es für die
/hupfdohle/
eine weitere negative einschätzung der käufermentalität.
<p>
ab und zu gerät man immer wieder an solche charaktere bei ebay.
umgekehrt gibt's auch verkäufer die keine ware liefern oder scheisse
als gold [sogen. midashändler] verkaufen. davor ist man nicht gefeit.
wenn sie jedoch mal schwierigkeiten haben, fragen sie bloss nicht in
der nutzer-helfen-nutzern-gemeinschaft auf den ebay-seiten nach. dort
findet man nur neunmalkluge, dreiunzwanzigjährige rechtsgelehrte,
die ihnen unser gesamtes handelsrechssystem en detail neu interpretiert.
hilfe und aussagekräftige antworten auf ihre fragen finden sie
dort nicht.<br>
die gibt's übrigens auch von ebay nicht. zwar kassiert der grosse
online-auktionator hohe einstellgebühren und verkaufsprovisionen,
jedoch persönlich und zu problemen habe ich in sieben jahren ebay
noch niemand zu gesicht oder zu hören bekommen.<br>
*name natürlich von mir erfunden.
<p>
<author>
©h.p. | 27/09/2006</author>
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