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unternehmensberatung is evil</title>
<start>
mensch, hätt ich doch 'ne unternehmensberatung. dann hätte
man immer was zu arbeiten und immer recht. aber leider habe ich etwas
anstädiges gelernt und muss infolge dessen mein geld auch ehrlich
verdienen.
<p>
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im grunde ist das aber ganz leicht
mit einer unternehmensberatung:<br> sie
werden meist von jemandem beauftragt, der meint, es könne besser
laufen, aber selber entweder keine idee hat, wie der laden auf vordermann
gebracht werden kann oder zu wenig mumm hat es selber durchzuziehen.
da ist jemand externes natürlich gerne genommen, denn nach getaner
arbeit verschwindet der buhmann gleich wieder - natürlich mit saftigem
honorar. man selber als unternehmensführung wäscht seine hände
in unschuld und kann sich mit seinen entscheidungen immer auf die, objektive,
weil externe betrachtung des unternehmens stützen. man ist fein
raus, weil man zukünftig natürlich jede getroffene entscheidung
- und das sind nie die angenhemen - auf die unternehmensberatung abwälzen
kann, die aber selber in keiner verantwortung mehr steht, weil sie ja
nicht mehr da ist. ein unglaublich geniales schuldtranbsfersystem und
deshalb von entscheidungsschwachen und ideenarmen führenden immer
gerne genommen. natürlich wird ein ordentliches /schmerzensgeld/
gezahlt.
<p>
leider aber sind unternehmensberaterunternehmen nicht immer so aussenstehend
und erschreckend objektiv, wie sie vorgeben. so manch einer z.b. ist
ein engagierter berater in unternehmen a und empfiehlt - ganz objektiv
natürlich - die ausgleiderung des unternehmensbereichs 08/15, weil
ja so viel billiger und effizienter.<br>
gleichzeitig aber ist der engagierte berater ein genauso engagierter
geschäftsführer, vorstand oder anteilseigner als anbieter
für ein externes unternehmen, das 08/15-dienstleistungen anbietet.
ein schelm, wer sich böses dabei denkt. a self fullfilling business.<br>
da ist natürlich schnell ein gut gemeintes und gut kalkuliertes
angebot zur übernahme der dienstleistungen auf dem tisch. ebenso
schnell flattern aber im folgenden die saftigen fallabrechnungen für
jede kleinigkeit ins haus und man fragt sich nach einer zeit, ob der
wechsel wirklich finanziell gelohnt hat. aber wer wechselt dann noch
zurüch, wo er doch eben noch viel geld dafür bezahlt hat,
dass jemand das tafelsilber mitnimmt? dazu müsste man aber einen
irrtum eingestehen - eine eigenschaft die den meisten führungsriegen
scheinbar bei karriereantritt operativ entfernt wurde.
<p>
unternehmensberatung kann jeder. vor allen dingen die unverbesserlichen
besserwisser unter uns. hier mal ein paar grundregeln, falls ich ihnen
jetzt den mund wässig gemacht habe:<br>
sie sehen sich einfach einen laden mal für ein paar tage an - vermeiden
sie dabei aber persönliche kontaktaufnahme mit den dort arbeitenden.
dabei ist es nicht wichtig, dass sie der organisatorischen bruchbude
mal richtig auf den zahn fühlen. suchen sie sich ein ruhiges plätzchen,
organisieren sie kaffee und kekse und überfliegen sie die ihnen
natürlich umfangreich und eiligst zur verfügung gestellten
unternehmensberichte, prozeduren und organigramme. achten sie beim querlesen
auf begriffe wie /kritisch/, /problematisch/ und /ausbaufähig/.
sammeln sie für einen möglichst umfangreichen projektbericht
(mind. 10 seiten plus) möglichst phrasenhafte textbausteine.
<p>
sie müssen ordentlich was an der klitsche auszusetzen haben, was
aber leicht fallen dürfte, denn wenn man sich um die rahmenbedingungen
nicht scheren muss, fällt ihnen sicherlich schnell was zum dran
aussetzen auf. dafür kriegen sie ihr geld. niemand wird ihnen geld
bezahlen, dass sie sagen: /tja, eigentlich ist hier alles in ordnung.
weiter so./ vielmehr strotzt eigentlich jedes unternehmen, das
sie unter die lupe nehmen, vor /ineffizienz/, /organisations-
und transparenzmangel/, laboriert an /schlechter projektierbarkeit/
usw. /ungenügende steuerbarkeit/, /perspektivlosigkeit/
und /performanceschwäche/ sind ihre vokabeln, vorgänge
sind /ungenügend konzeptioniert/, dabei /kostenintensiv/
und darüber hinaus auch noch völlig /redundant/ ausgelegt
- und wo sie gerade im fremdwörterduden nachschlagen, suchen sie
noch ein paar exotisch klingende begriffe für banales und belangloses
heraus und legen sie ein vokabelheft an, mit tollen worten wie /best
of breed/, /durchdringung/,
/nutzen schaffen/, /ablösedruck/,
/mengengerüst/ uns sonstigem mist, den
kaum ein mensch mit gesundem verstand versteht. mit diesen begriffen
können sie ordentlich austeilen ohne direkte anschuldigungen machen
zu müssen. das verspricht eine minimierung des konfliktpotentials.
<p>
aber arbeiten sie sich bitte unbedingt umfassend in powerpoint ein.
es ist /die/ "killerapplikation" (fachbegriff!) um umfangreiche
und eindrucksvolle präsentationen ohne wirkliche inhalte zu erstellen.
hauptsache es ist bunt und sieht professionell aus. vorlagen gibt's
massig im internet. der inhalt ist völlig nebensächlich. unternehmen
beraten ist also eine arbeit für leute, die ständig was an
der arbeit von anderen leuten auszusetzen haben wollen.
<p>
hey! und zeigen sie sich bei all dem ja nicht von ihrer knickrigen
seite, denn schliesslich ist es nicht ihr geld, was sie da raushau'n.
gerade das gegenteil ist der fall: sie geben das viele geld des unternehmens
für ihre mageren vorstellungen aus und bekommen obendrauf noch
ihr beratergehalt.<br>
wenn sie auch nicht gerne alleine arbeiten, holen sie sich doch die
freundlichen kollegen ins haus. jede beraterfirma hat eine handvoll
freiberuflicher mitarbeiter für jedes noch so exotische spezialgebiet
an der hand. und sie selber können ja auch wirklich nicht alles
wissen. es ist immer gut, wenn man jemanden weiss, der sich aber genaustens
mit der just anstehenden problematik aus dem ff auskennt. und wenn nicht:
lesen sie sich schnell mal ein paar fachbergriffe und grundkonzepte
über eine google-suche an, denn sie können felsenfest darauf
vertrauen, dass ihr management-gegenüber von gerade /ihrem/
spezialthema kaum eine ahnung haben dürfte. vermeiden sie aber
fachgespräche mit fachpersonal. halten sie sich strikt an die managementebene.
hier sitzt ggf. die entscheidungsgewalt gepaart mit der passenden, fehlenden
fachkompetenz. wenn sie es geschickt anstellen haben sie im centumdrehen
eins, zwei ihrer netten kollegen mit im zahlenden unternehmen untergebracht;
sie sind nicht mehr allein und ihre freunde verdienen auch gut mit.
<p>
aber kann man so wirklich glücklich werden?<br>
sie werden nicht glauben wie zufrieden und ausgeglichen manche unternehmensberater
jeden abend nach hause gehen und wie erholsam sie schlafen können.
angesichts der verwirrung, missstimmung und des unglücks, die sie
in die beratenen unternehmen bringen, eigentlich ziemlich erstaunlich.
aber wenn man anderen leuten natürlich den ganzen tag kaum nachvollziehbare
vorträge darüber halten kann, wie schlecht diese ihre arbeit
machen, ist das natürlich recht entspannend, zumal - besonders
von ihnen selbst - davon ausgegangen wird, dass sie immer recht haben
und sie letztlich auch noch eine ganz ansehnliche stange geld damit
verdienen. an ihrer arbeit wagt niemand etwas auszusetzen. warum? sie
sind extern. sie gelten als objektiv. man hält sie für effizient.
und nicht zu vergessen: jeder hat insgeheim angst vor ihnen. so wie
jeder mensch angst hat von einem anderen negativ beurteilt zu werden.<br>
diese angst kann man zu barem geld machen. zu gutem geld in ihrem fall.
je mehr sie als mystischer scheidestein [deshalb
keine innige kontaktaufnahme!] im abzuprüfenden unternehmen
wahr genommen werden, desto weniger probleme in der durchsetzung und
mit den /betroffenen/ [ein
wunderschönes wort aus dem projektmanagement!] werden sie
haben.
<p>
... und das nächste mal schreibe ich euch was über /qualitätsmanagement/.
<p>
<p>
zusatzaufgabe vokabeltest:<br>
konstruieren sie auf 100 weitschrittig geschriebenen dina4-seiten aus folgenden vokabeln möglichst sinnschwangere sätze, wie: /optimierung der it-durchdringung: zielgerichtete und effizienzgesteuerte ergänzungen oder performance-approvment der edv-unterstützung von sytsemischen und systemkritischen prozessen of high value./<br>
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vokalen zur wahlosen verwendung: definition, optimierung, effektiv, effizient, konsolidierung, analyse, reduktion, sublimierung, kummlation, komptenz, potent, wirtschaftlichkeitsanalyse, ISO 9001, controlling, szenario, prognose, symbiotisch, kollektive, kosten-nutzen-struktur, liquidation, zielvereinbahrung, human ressourcing, pool, outsourcing, outplacement, novellierung, ratifikation.
wenn sie diese aufgabe bestanden haben - seien sie ruhig generös mit sich selbst
- laden sie sich aus dem internet irgend eine zeugnisvorlage runter oder generieren sie sich eins und füllen diese nach gutdünken aus.
</end>
<author>
©h.p. | 12/11/2006</author>
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